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  • Collin Coel

Zypern nach wie vor attraktiver Wirtschaftsstandort

Aktualisiert: 25. Sept. 2022

Der mediterrane Lebensstil im Verein mit einer atemberaubenden Fauna und Flora lockt Jahr für Jahr über drei Millionen Touristen nach Zypern. Das Land hat allerdings beileibe mehr als 340 Sonnentage im Jahr, freundliche Menschen, moderne Infrastruktur und eine außergewöhnlich niedrige Kriminalitätsrate zu bieten. Beliebt ist das Vollmitglied der Europäischen Union vor allen Dingen ob seiner unvergleichlichen Steuervergünstigungen. Seit der Einführung des Non Dom Status 2015 hat sich die Einwohnerzahl von 847.000 auf 896.000 erhöht. Auf 948.000 wird sie bis 2026 anwachsen, sollte der Strom der Zuwanderer nicht abreißen.


Stadtzentrum auf Zypern

Quelle: Dimitris Vetsikas auf Pixabay


Wider Erwarten Kandidat des EU-Rettungsschirms


Hohe Staatsverschuldung durch Schieflage der Banken


Noch vor wenigen Jahren stand das Barometer auf Sturm. So musste Zypern im Juni 2012 die Europäische Union und den Internationalen Währungsfonds um eine Finanzspritze bitten. Die starke Verflechtung der zyprischen Banken mit dem bankrotten Griechenland, das nur dank internationaler Hilfe überlebensfähig war, erwies sich als Krebsschaden. Rund 3,5 Milliarden Euro kostete die Geldhäuser des Inselstaates das Abenteuer mit dem Nachbarland. Weit gefehlt mithin, zu glauben, dass Steuervergünstigungen zu wenig Geld in die Kassen der Steueroase spülen. Ja, de facto handelt es sich bei Zypern nicht einmal um ein Niedrigsteuerland. Um dieser Auflage zu genügen, dürfte nämlich Zypern nicht über einen Einkommensteuersatz von 35 Prozent gebieten. Selbst steuerrechtliche Ausnahmeregelungen wie der Halbeinkünftesteuersatz ändern daran nichts.


Haushaltskonsolidierung neben Restrukturierung der Banken


Bereits 2013 lag das Haushaltsdefizit mit 5,6 Prozent des BIP 2,7 Prozentpunkte unter den Erwartungen. Nicht von ungefähr flossen im Mai dieses Jahres die Gelder. So kamen 9 Milliarden Euro vom Europäischen Stabilitätsmechanismus, während der Internationale Währungsfonds mit einer Milliarde Euro aufwartete. 7,5 Milliarden dieser Finanzhilfe wanderten in die Haushaltskonsolidierung, 2,5 Milliarden verschlang indes die Restrukturierung der Banken. Für die Rekapitalisierung der zwei Großbanken Cyprus Popular Bank und Bank of Cyprus wurden hingegen die Anleger zur Ader gelassen. Gleichzeitig erhöhte sich der Unternehmenssteuersatz von 10 auf 12,5 Prozent und war mit der halbjährlichen, automatischen Lohnanpassung an die Inflationsrate von jetzt auf gleich Schluss. In Zeiten der Rezession wird fortan auf sie verzichtet.


Empfindlicher Dämpfer durch Wladimir Putin


Das zyprische Steuersparmodell


Für die Steueroase Zypern hatte Wladimir Putin 2020 kein Verständnis mehr. Mit der Komplexität einer sportlichen Mehrwertsteuer* hat das zyprische Steuersparmodell naturgemäß nichts gemein. Vielmehr läuft es, um mit den Russen zu sprechen, auf eine simple Reduktion des Steuersatzes von 15 bis 20 Prozent auf willkommene 5 Prozent hinaus. Diese geringe Steuerlast zahlen russische Unternehmer für Dividenden von Firmen, die auf Zypern registriert sind. Nicht genug damit. Vergeben die besagten Unternehmen Kredite an Tochterfirmen in Russland, ist die Tochterfirma berechtigt, die Kreditzinsen in Russland als Steuerabzug geltend zu machen. Dasselbe gilt für allfällige Lizenzgebühren, die die Tochterfirma für die Nutzung von Markenrechten an die in Zypern registrierte Muttergesellschaft abzutreten hat. Und ebendiese Muttergesellschaft braucht in Zypern für all die genannten Finanztransaktionen keinerlei Steuern zu entrichten.


Wladimir Putin

Quelle: Dimitro Sevastopol auf Pixabay


Die unselige Abhängigkeit von den Russen


Insofern überrascht es nicht weiter, dass Präsident Putin Mitte 2020 die Angleichung der zyprischen Kapitalertragsteuer an russische Verhältnisse forderte. Durch die angedrohte Aufhebung des 20-jährigen Doppelbesteuerungsabkommens lenkte Zypern nur unwesentlich später ein. Seit 1. Jänner 2021 werden damit Zins- und Dividendeneinnahmen gleich hoch besteuert wie in Russland. Wenigstens werden durch das damit weiterhin aufrechte Doppelbesteuerungsabkommen russische Unternehmer nicht zweimal zur Kasse gebeten: in ihrer Heimat und bei ihrem Gastgeber in Zypern.


Die Sache wäre denn nicht weiter der Rede wert, wenn sich nicht einmal mehr der Vergleich mit dem Sport aufdrängen würde. Wer die Finanzierung des Randsports durch den Massensport* auf seine Fahne schreibt, sollte tunlichst danach trachten, dem Massensport nicht durch unangemessene Forderungen das Wasser abzugraben. Nachdem die Steueroase Zypern mit den Russen steht und fällt, kommt Putins Maßnahme buchstäblich einer Vernichtung des Massensports gleich. Fakt ist jedenfalls, dass in den 1990er-Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die russischen Investoren von Zypern angezogen wurden wie die Motten vom Licht. Allein 2019 flossen zwei Drittel der russischen Auslandsinvestitionen oder umgerechnet rund 27 Milliarden Dollar in zyprische Unternehmen. Summa summarum belaufen sich zur Stunde die russischen Investitionen in Zypern damit auf geschätzte 190 Milliarden Dollar, also auf das achtfache BIP der Insel.


Schlagende Argumente für die Wirtschaftsflucht


60-Tage-Regel für Non Doms


Wer auf Zypern Steuern sparen will, bemüht sich um eine permanente Aufenthaltserlaubnis und eine zyprische Steuernummer. Er strebt kurzum den Non Dom Status an. Verweilt er dann wenigstens 60 Tage im Jahr in Zypern, erfreut er sich als Non-Domiciled-Steuerzahler, kurz Non Dom genannt, der Steuervorteile. Ob er dabei die zwei Monate am Stück oder mit Unterbrechungen auf der Insel zubringt, ist belanglos. Durch den Wegfall der sonst üblichen 183-Tage-Regelung könnte das zyprische Steuerrecht nicht mehr den modernen Bedürfnissen Rechnung tragen.


Steuervorteile in Hülle und Fülle


Mit dem Non Dom Status setzt die Steueroase Zypern unstreitig ein Zeichen für mehr Lebensqualität*. Damit verzichtet das Land komplett auf die Remittance Base Besteuerung. Heißt im Klartext: Selbst im Ausland erwirtschaftete Dividenden bleiben steuerfrei. Der schnellste Weg zum Wohnsitz mit Non Dom Status führt dabei über die Gründung einer Kapitalgesellschaft. Wer mit einer Zypern Limited oder Zypern Holding aufkreuzt, erfreut sich einer Körperschaftsteuer von 12,5 Prozent. Ausgestattet mit einer VAT-Nummer und einer Betriebsstätte kann sich die zyprische Kapitalgesellschaft international sehen lassen. Nachdem zur Betriebsstätte auch die Privatwohnung erklärt werden kann, ist die Investition in eine gewerbliche Immobilie unnötig. Gewerbesteuern kennt das Land nicht und als Solidarabgabe ist lediglich seit 1. März 2019 ein Beitrag zum National Health System (NHS) zu leisten. Dafür sind Verlustvorträge und Bankkonten im Ausland erlaubt. Und Dividenden aus einer Beteiligung der Gesellschaft an einem anderen Unternehmen sind steuerfrei. Zu guter Letzt ist selbst beim Vererben von Gesellschaftsanteilen kein Cent an den Staat abzutreten.


Daytrader auf Couch vor Chart-Hintergrund

Quelle: Gerd Altmann auf Pixabay


Eine absolute Empfehlung für Trader


Wer die organisierte Kriminalität der Justiz* nahezu täglich im Nacken hat, versucht naturgemäß selbst mit dem Traden sein Glück, auch wenn die Erfolgschancen dafür mit 10 Prozent verschwindend gering sind und sich allenfalls nach einer Lehrzeit von 3 bis 5 Jahren Triumphe feiern lassen. Sollte der Rubel allerdings rollen, ist die Übersiedlung nach Zypern unstreitig eine Überlegung wert. Immerhin braucht der Privatanleger bloß einen Wohnsitz samt Non Dom Status, um steuerfrei Kapital aus dem Börsenhandel schlagen zu können. Die Steuerfreiheit gilt dabei unter anderem für den Handel mit Stamm-, Vorzugs- und Gründungsaktien, Optionen und Schuldverschreibungen ebenso wie für den An- und Verkauf von Anleihen. Swaps sind so wenig ausgeschlossen wie Futures, Hinterlegungsscheine Rückkaufsvereinbarungen oder Investmentfonds. Besser geht es wohl kaum.


* Unbezahlter Weblink (Eigenwerbung)

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