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  • Collin Coel

Smart Packaging gegen die Verschwendung von Lebensmitteln

Aktualisiert: 25. Sept. 2022

Rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel landen jährlich im Müll. Allein jeder EU-Bürger tritt Jahr für Jahr 173 Kilogramm Lebensmittel in die Tonne. Schätzungen gehen davon aus, dass sich der Durchschnittshaushalt eines Viertels der eingekauften Lebensmittel entledigt. 46,5 Prozent der Wegwerfgesellschaft rechtfertigen diesen Schritt mit dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums, 33,6 Prozent haben indes schlicht und ergreifend zu viel eingekauft. Und für 17,0 Prozent lässt die Optik der Ware zu wünschen übrig. Mit dieser haltlosen Lebensmittelverschwendung könnten intelligente Verpackungen aufräumen. Zumindest ist eine Änderung des Verbraucherverhaltens denkbar. Immerhin informieren intelligente Verpackungen den Konsumenten, ob die Ware noch in Ordnung ist oder eine veritable Salmonellengefahr besteht.


Bunte Gemüsemischung in Plastikfolien

Technologien: Indikatoren im Schatten der Datenträger


Noch müssen Indikatoren den Datenträgern das Feld überlassen. Sie sind gemessen an Barcodes und QR-Codes schlicht zu teuer. Auf wenig Gegenliebe im Wirtschaftsalltag stoßen sie auch, weil sie den Konsum einschränken könnten. So steht zu befürchten, dass beim geringsten negativen Anzeichen eines Frischeindikators das Produkt schnurstracks zurück ins Regal wandert. Und wenn der Frischeindikator gar wiederholt einem Markenprodukt ein schlechtes Zeugnis ausstellt, sinkt unweigerlich das Vertrauen des Konsumenten in die Marke. Dafür wäre mit intelligenten Verpackungen das FIFO-Prinzip (First In – First Out) denkbar leicht umzusetzen. Und geht die Ware mit der kürzeren Haltbarkeitsdauer zuerst über den Ladentisch, landet zwangsläufig weniger Ausschuss in der Tonne.


Datenträger


• Barcodes

Mit Barcodes sind Bestandserfassung, Bestandskontrollen und Zahlungsabwicklungen weiter kein Problem. Zu unterscheiden ist der eindimensionale vom zweidimensionalen Barcode. Während in der eindimensionalen Variante die Information in einer parallelen Anordnung von Strichen und Lücken steckt, arbeitet die zweidimensionale Variante mit Punkten und Lücken in einer Matrix oder einem Array. Dementsprechend mehr Information lässt sich in einen zweidimensionalen Barcode packen, dessen gängigster Vertreter der QR-Code (quick response = schnelle Antwort) ist. Endlich genügt ein Scanner, um auf Daten wie das Verpackungsdatum, das Verpackungsgewicht oder die Nährwertangaben zugreifen zu können.

• RFID-Etiketten

Radio-Frequenz-Identifikations-Datenträger haben eine Speicherkapazität von bis zu einem Megabyte und sammeln, speichern beziehungsweise übermitteln Informationen berührungslos ohne direkten Sichtkontakt. Ja, genau genommen erlauben diese Etiketten gar eine beliebige Veränderung der gespeicherten Daten. Nicht von ungefähr eignen sie sich trefflich fürs Bestands- und Qualitätsmanagement. Die Kehrseite der Medaille ist freilich, dass sich mit RFID-Etiketten auch persönliche Daten wie Einkaufsvorlieben abgreifen lassen. Und während bekanntlich den Nachrichtendiensten der Datenschutz fremd* ist, dürfte es in den Lebensmittelläden augenblicklich einen Aufschrei der Entrüstung geben, wenn es um die Privatsphäre schlecht bestellt ist. Der Schutz gegen Produktpiraterie und Diebstahl ist insofern zu teuer erkauft.


Kunstfotografie in Schwarz mit drei Herren ohne Köpfe und Nahaufnahmen von Sinnesorganen als Ersatz für die Köpfe

Quelle: succo auf Pixabay


Indikatoren


• Zeit-Temperatur-Indikatoren

Im Zeit-Temperatur-Indikator, kurz TTI genannt, spiegelt sich der Temperaturverlauf während der Lagerung und des Transports wider. Im einfachsten Fall zeigt er schlicht an, ob die kritische Temperatur eines sensiblen Produkts auf dem Weg ins Lebensmittelgeschäft über- oder unterschritten wurde. Denkbar ist ebenso, dass er Aufschluss über eine Temperatur gibt, die einen Verkauf der Ware untersagt. Endlich hat ein TTI nicht weniger das Zeug, den kompletten Temperaturverlauf während der Lagerung und des Transports aufzuzeichnen. Nachdem sich bei einer zu geringen Temperatur die Mikroorganismen zur Vernichtung der Ware aufschwingen und bei einer zu hohen Temperatur womöglich wertvolle Proteine im Fleisch flöten gehen, kann sich der TTI als intelligente Lebensmittelverpackung allemal sehen lassen.


• Frischeindikatoren

Entwicklungsländer haben andere Probleme*, als sich um Form und Aussehen von Lebensmitteln zu kümmern, geschweige denn Lebensmittel nach dem offiziellen Verfallsdatum gleich zu entsorgen. Wenn in Entwicklungsländern Lebensmittelverluste zu beklagen sind, dann nahezu ausschließlich in der Landwirtschaft und Produktion. Angesichts der weltweiten Hungersnot gleicht es geradezu einem Affront ohnegleichen, dass in Industrieländern alles weggeworfen oder nicht geerntet wird, was den allgemeinen Erwartungen widerspricht. Ein Glück von daher, dass wenigstens die Verbraucher mit Frischeindikatoren die Angst vor verdorbenen Lebensmitteln überwinden können. Frischeindikatoren befinden sich regelmäßig auf der Verpackungsinnenseite und reagieren auf chemische Veränderungen während des Verfalls der Ware. Kohlenstoffdioxid, Alkohol und Glucose können ebenso ein Warnsignal sein wie organische Säuren oder flüchtige Stickstoffverbindungen.


Alternativen: Nachhaltigkeit neben Information wichtig


Mit dem Nutri-Score zu gesunder Ernährung


Smart Packaging kann durchaus auch anders. Siehe Nutri-Score. Der Volksmund nennt ihn schlicht Lebensmittelampel. Aus gutem Grund. Immerhin gibt diese freiwillige Angabe anhand einer fünfstufigen Farb- und Buchstabenskala Aufschluss über den Nährwert der Lebensmittel. Zwangsläufig fühlt sich der Verbraucher damit zum Vergleich verpflichtet und wird stets nach jenem Produkt greifen, das ihm die Bestnote A verspricht. In Zeiten, in denen die gesunde Ernährung quasi zum Wesen der Lebensqualität* gehört, hat sich der Nutri-Score für nicht wenige Verbraucher zum unverzichtbaren Begleiter beim Lebensmitteleinkauf gemausert. Frei von Mängeln ist der Nutri-Score darob gleichwohl längst nicht. So fließen in seine Berechnung weder Mineralstoffe, ungesättigte Fettsäuren und Vitamine noch Süßstoffe, Zusatzstoffe und Aromen ein. Er verrät nichts über eine allfällige regionale oder nachhaltige Herstellung und schlüsselt vor allen Dingen die Nährstoffe nicht auf. Wer mithin nach zuckerarmer Ernährung Ausschau hält, kann sich den Blick auf den Nutri-Score ersparen.


Finger auf Nutri-Score-Etikett eines gelben Lebensmittels weisend

Quelle: Der Spiegel auf Twitter


Sauerstoffversorgung durch Mikrolöcher


PerfoTec Flexfresh Liner nennt sich der Kunststoffbeutel des niederländischen Verpackungsspezialisten PerfoTec, der Obst und Gemüse je nach Bedarf mit Sauerstoff versorgt. Damit ist eine längere Haltbarkeit garantiert. Das Geheimnis der innovativen Tasche liegt dabei in den Mikroperforierungen. So hat Bas Groeneweg, der Geschäftsführer von PerfoTec, festgestellt, dass dem Rosenkohl etwa kleine Löcher bestens bekommen. Die absoluten Spitzenergebnisse liefern nichtsdestotrotz Schnittblumen. Im Kunststoffbeutel verheißen sie eine um 7 bis 10 Tage längere Haltbarkeit.


Aktive Verpackungen für eine längere Haltbarkeit


Die Verlängerung der Haltbarkeit ist auch Aufgabe der aktiven Verpackungen. Frischfleisch, Fertiggerichte und Käse schreien regelrecht nach der MAP-Technologie. Modified Atmosphere Packaging ist leicht an der Aufschrift »unter Schutzatmosphäre verpackt« auszumachen. Der Name ist dabei Programm. Auf das Füllgas kommt es an. Entweder fehlt es zur Gänze wie bei der Vakuumverpackung oder es wird mit einer bestimmten Menge oder einer speziellen Zusammensetzung gearbeitet. So ist an die Beimengung von Kohlenmonoxid, Lachgas oder Argon zu denken.


Umweltverträglichkeit durch Biokunststoffe


Seit der Schrei nach Umweltverträglichkeit* auch im Lebensmittelhandel nicht mehr zu überhören ist, arbeiten Verpackungsspezialisten intensiv daran, die Lebensmittelhersteller mit biologisch abbaubaren Biokunststoffen zu beglücken. Der beliebteste Biokunststoff zur Stunde ist unstreitig Polylactid (PLA). PLA ist der Fermentation von Maisstärke geschuldet und findet vornehmlich als Folie Verwendung. Biologisch abgebaut ist PLA innerhalb von 6 bis 12 Monaten. Unter Einwirkung von Wärme, Feuchtigkeit und Mikroorganismen wird aus ihm Wasser, Kohlendioxid und Biomasse. Nachdem der Kunststoff zudem als gesundheitlich unbedenklich gilt, überrascht es nicht weiter, dass er für den Lebensmittelbereich zugelassen ist.


* Unbezahlter Weblink (Eigenwerbung)

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