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  • Collin Coel

Gender Investment: Ist die Rendite weiblich?

Aktualisiert: 4. Nov. 2022

Sie haben klingende Namen wie Vitamin, Finmarie und Financery. Regelrecht wie Pilze schießen die Frauenfinanzberatungen seit geraumer Zeit aus dem Boden. Es hat ganz den Anschein, als gingen in Sachen Geldanlage die Frauen nicht mit der Zeit und müssten erst nachdrücklich in die Welt der Hochfinanz eingeführt werden. In der Tat waren 2021 auch nur 4 der 12 Millionen Deutschen, die auf Aktien und Fonds setzen, Frauen. Dabei hätten ebendie ein Händchen für die Veranlagung. Die höheren Renditen machen ihre geringeren Investments allemal wett.


Junge Asiatin in blauem Anzug am Büroschreibtisch sitzend mit Smartphone in der Hand

Quelle: pressfoto auf Freepik | Designed by Freepik


Kundenvermögen: Gender Pay Gap als Investmentbremse


Die Analyse der Konten und Depots von 1,5 Millionen Consorsbank-Kunden spricht eine klare Sprache. Im Schnitt hatten die Frauen 2019 mit 24.000 Euro um rund 38 Prozent weniger auf der hohen Kante als die Männer. Diese Vermögensungleichheit* spiegelt sich – wenn auch in abgeschwächter Form – im Depotvolumen wider. 53.000 Euro hatten im Schnitt die Männer in ihren Wertpapierdepots geparkt, während sich die Frauen mit 36.000 Euro beschieden. Oder um es mit den Studien des Deutschen Aktieninstituts zu sagen: 2021 waren lediglich für rund 12 Prozent Frauen Aktien und Fonds ein Thema, während sich 22,4 Prozent der Männer auf die Börsenspekulation einließen.


Dass der Vermögensaufbau für Frauen kein Leichtes ist, ist ein alter Hut. Immerhin streichen 63 Prozent der Frauen in Deutschland monatlich weniger als 900 Euro ein. Gemessen an den Herren der Schöpfung schneiden die Frauen punkto Arbeitsentgelt generell um 6 bis 18 Prozent schlechter ab. Wenn die Frauen weltweit im Schnitt rund 23 Prozent weniger verdienen als die Männer, ist der Gender Pay Gap* allerdings wahrlich kein rein deutsches Übel. Ein Trost ist das freilich mitnichten. Denn: Wer an den Hungerpfoten saugt, hat naturgemäß weniger Spielraum in der Veranlagung. Gerade sie wäre aber im Lichte magerer Renten gefragter denn je. Kein Wunder also, dass die Altersarmut weiblich ist.


Portfoliostruktur: Fonds gefragter als Aktien


Schenkt man der »Real Talk: Women x Crypto 2.0«-Umfrage Glauben, sind Aktien für Frauen anfangs tabu. Vielmehr starten 33 Prozent von ihnen ihre Investmentreise mit dem Handel von Kryptowährungen. Angesichts der hohen Volatilität von Bitcoin & Co überrascht das einigermaßen. Immerhin erhellt aus nahezu allen Studien, die sich der Geldanlagestrategien von Frauen* annehmen, dass sich die holde Weiblichkeit generell mehr für risikoärmere Veranlagungsformen ausspricht und fürs Zocken der Mannsbilder herzlich wenig übrighat.


Bitcoin

Quelle: Gerd Altmann auf Pixabay


Ein Blick in die Wertpapierportfolios der traditionell wertpapieraffinen Consorsbank-Kunden verrät, dass 75,5 Prozent der Frauendepots mit Investmentfonds bestückt sind, während sich die Männerwelt mit 67,4 Prozent begnügt. Dafür warten 82,3 Prozent der Männerdepots mit Aktien auf, wohingegen bloß in 65,6 Prozent der Frauendepots Aktien stecken. Bei den Optionsscheinen fällt der Unterschied zwischen den Geschlechtern noch krasser aus, wenn 4,4 Prozent Männerdepots mageren 1,9 Prozent Frauendepots gegenüberstehen.


Transaktionsverhalten: Selbstüberschätzung kein Thema


Nicht von ungefähr hat die SEC 2001 die Pattern Day Trader Rule* eingeführt. Sie bewahrt unbedarfte Börsenneulinge vor dem Overtrading, also vor unbedachten Handelsentscheidungen mit suboptimalen Trade Setups. Kurzum: Mit einem Konto von weniger als 25.000 US-Dollar sind bloß drei Trades pro Woche erlaubt.


CFTC und SEC

Quelle: updates.eth auf Twitter


Die Gefahr des Overtradings dräut ja nun bei einer langfristigen Geldanlage weniger, doch auch bei Investments machen sich zu viele Wertpapiertransaktionen pro Jahr negativ bemerkbar. In ihrer Aktivität könnten sich Frauen und Männer dabei kaum mehr unterscheiden. Zumindest zeichnen für Consorsbank-Kunden mit mehr als 20 jährlichen Wertpapiertransaktionen zu 87,9 Prozent die Männer verantwortlich. Zu bedenken gilt es jedoch, dass auch Frauen versucht sind, in die Falle der Männer zu tappen und es mit den Wertpapiertransaktionen gehörig zu übertreiben. So unterscheiden sich die Geschlechter bei Sparplantrades punkto Transaktionshäufigkeit nur unwesentlich. Während die Frauen bei Einmalanlagen um beachtliche 56 Prozent weniger oft Order zum Kauf respektive Verkauf erteilen, schrumpft dieser Prozentsatz bei Sparplanausführungen auf bemerkenswerte 23 Prozent.


Performance: Defensive Aufstellung krisenresistenter


Frauen ist es, so die Berliner Finanzexpertin Karolina Decker, nicht um die kurzfristige Maximierung der Rendite zu tun, sondern um den langfristigen Anlageerfolg*. Ein gesicherter Ruhestand ist ihnen nicht weniger wichtig als die solide Ausbildung der Kinder oder die wohlverdiente Weltreise. In anderen Worten bringt Frauen nicht die blinde Geldgier, sondern ein erklärtes Investitionsziel an die Börse. Und eine solche Arbeitseinstellung verspricht in Spekulationsgeschäften eher eine ansehnliche Rendite.


Frau beim Online-Banking

Quelle: Gerd Altmann auf Pixabay


Ebendie kann sich absolut sehen lassen. So bescheinigt die ING-Analyse 2021 auf Basis von einer Million Kundenportfolios den Frauen eine Rendite von 22,5 Prozent. Gemessen daran haben die Herren der Schöpfung mit einer Rendite von lediglich 21 Prozent unstreitig das Nachsehen. Die Crux an der Sache ist freilich, dass die Männer in starken Börsenjahren ob ihrer Risikobereitschaft* um ein Bedeutendes besser abschneiden als die Frauen. Insofern überrascht es nicht, dass das starke Geschlecht zwischen 1. Juli 2016 und 30. Juni 2019 mit einem Plus von 16,2 Prozent von sich reden machte und damit im 3-Jahres-Vergleich der Consorsbank-Analyse dem schwachen Geschlecht mit einem Plus von 15,5 Prozent den Rang ablief. Kurzum: Den Mannsbildern konnten ihre höheren Verluste 2018 nichts anhaben, nachdem sich 2017 und 2019 als fette Jahre entpuppten.



* Unbezahlter Weblink (Eigenwerbung)


Disclaimer:

Dieser Artikel dient lediglich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine umfassende Aufklärung über die Risiken beim Kauf, Verkauf und Halten von Finanzprodukten dar. Der Verfasser haftet nicht für etwaige Verluste, die einer Umsetzung der Gedanken und Ideen des Artikels geschuldet sind.

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