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  • Collin Coel

Schokolade bringt’s: Über Mythen und Tatsachen

Aktualisiert: 25. Sept. 2022

9,2 Kilogramm Schokolade hat der Deutsche 2019 verputzt. Damit trennen ihn nur 0,7 Kilogramm vom Schweizer, der seit alters im Schokoladenkonsum nicht zu toppen ist. Es überrascht auch beileibe nicht, dass sich einmal mehr die Frauen als größere Naschkatzen entpuppten. So erklärten 2021 gut 32 Prozent der befragten Frauen in Deutschland, täglich zu Süßwaren oder Knabbereien zu greifen, während es die Männer bloß auf einen Anteil von 21 Prozent brachten. Warum Schokolade bei den Deutschen dermaßen hoch im Kurs steht, ist rasch erklärt.


Verführerische Schokolade stilvoll arrangiert auf braunem Untergrund

Quelle: freepik auf Freepik | Designed by Freepik


Suchtmittel: Anandamid in zu geringen Dosen


Dem Anandamid ist der hohe Schokoladenkonsum unter Garantie nicht geschuldet. Zwar verspricht Anandamid im Prinzip die gleiche berauschende Wirkung wie Cannabis, allerdings müsste der Konsument dafür wenigstens 300 Tafeln Schokolade verzehren. Und selbst gesetzt den Fall, dass er sich dazu im Stande sähe, würde der Glücksrausch nicht länger als 30 Minuten vorhalten. Warum isst man Schokolade also? Eine mögliche Erklärung für den Heißhunger könnten jene drei ungesättigten N-Acylethanolamine sein, die Wissenschaftler aus San Diego in dunkler Schokolade und im Kakaopulver entdeckten. Fakt ist hingegen, dass Schokolade in der Tat süchtig machen kann. Bisherigen Erkenntnissen zufolge ist diese Sucht gleichwohl ein Ausfluss psychischer Schwäche. Selbst wenn nämlich nach Schokolade süchtige Patienten alle Stoffe verabreicht bekommen, die in der Schokolade stecken, spüren sie immer noch ein starkes Verlangen nach der süßen Verführung.


Glücklichmacher: Serotonin gegen Depression


Nicht von ungefähr greifen Frauen 22-mal häufiger zu Schokolade als Männer und würden 50 Prozent der Amerikanerinnen eher auf Sex als auf Schokolade verzichten. So sinkt Monat für Monat nach dem Eisprung der Serotoninspiegel im Blut. Und mit den Stimmungsschwankungen und der erhöhten Reizbarkeit als Folge des sogenannten prämenstruellen Syndroms kommen die Herren der Schöpfung umso leichter klar, je mehr Schokolade ihre Frauen konsumieren. Insofern ist Schokolade unstreitig dem Beziehungsglück dienlich*.


Glückliches Mädchen mit Schokoladentafel und Kakao

Quelle: drobotdean auf Freepik | Designed by Freepik


Die Sache mit dem Serotonin verhält sich so: An sich ist dieses sogenannte Glückshormon in der Schokolade gar nicht enthalten. Es entsteht vielmehr erst durch den Abbau von Tryptophan. Die Crux ist nur, dass in jedem Frühstücksei mehr Tryptophan steckt als in der Schokolade. Keine Sau käme allerdings je auf die Idee, sich mit Eiern vollzustopfen, um der Depression Herr zu werden. Insofern drängt sich der Verdacht auf, dass das Glücksgefühl durch Schokolade mehr ein Ausfluss der Kindheit ist. Schließlich hat noch regelmäßig alle Welt Leistungen der Kinder mit Schokolade belohnt. Erwiesen ist hingegen, dass auch die Sonne die Serotoninproduktion massiv ankurbelt. Lässt sich die Sonne kaum blicken, bedarf es zwingend des Serotonins durch Schokolade. Aus gutem Grund konsumierten die Finnen 2019 7,4 Kilogramm Schokolade, während sich die Griechen mit 2 Kilogramm beschieden.


Aphrodisiakum: Phenylethylamin kein Viagra-Ersatz


Anstelle der Eier ließe sich auch der Vergleich mit dem Käse strapazieren. Wer nämlich auf den Verliebtheitseffekt der Schokolade aus ist, könnte sich ebenso gut an der Käseplatte gütlich tun. Verantwortlich für die Schmetterlinge im Bauch zeichnet jedenfalls das Phenylethylamin, das im Kakao nachweislich zu finden ist. Bei verliebten Paaren macht es vermehrt von sich reden, indem es für einen Anstieg von Pulsfrequenz, Blutdruck und Blutzuckerspiegel sorgt. Weit gefehlt allerdings, zu glauben, dass Schokolade die Lust steigert. Anleihen bei Ludwig XIV. zu machen und sich mit Kakao in die Falle zu hauen führt mithin unter Garantie zu keiner Leistungssteigerung des Mannes. Paaren, die für mehr Sexualität in der Ehe* sorgen wollen, ist noch allemal mit Viagra bestens gedient.


Glücklicher Mann füttert glückliche Frau mit Schokolade

Quelle: freepik auf Freepik | Designed by Freepik


Leistungsschub: Rosige Aussichten dank Flavonol


Es heißt, dass Kakao mit einem hohen Anteil des Pflanzeninhaltsstoffs Flavonol dem Gehirn gut bekomme. Wenn das Gehirn dadurch besser mit Blut versorgt wird, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Forscher hoffen, mit Flavonol bald auch Schlaganfällen und Demenz wirksam begegnen zu können. Noch ist aber nichts in Stein gemeißelt. Zudem reicht der Flavonolgehalt der Schokolade dem Gehirn mitnichten, um mit Schlaganfällen und Demenz kurzerhand aufzuräumen. De facto genügt nicht einmal das ebenfalls in Schokolade enthaltene Theobromin, um mit dem Koffein in einer Reihe zu stehen und Schokolade fürderhin als Muntermacher der Leistungsgesellschaft zu verticken.


Kalorienbombe: Übergewicht durch Fett und Zucker


Schenkt man einschlägigen Studien Glauben, ist auch ohne Flavonol dem Schlaganfallrisiko die Stirn zu bieten. Wer nämlich regelmäßig Schokolade isst, darf mit einem um 29 Prozent niedrigeren Schlaganfallrisiko rechnen und reduziert die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 39 Prozent. Um ein Bedeutendes erstaunlicher ist allerdings, dass, wie die Präventionsmedizinerin Beatrice Golomb von der UC San Diego in La Jolla herausfand, Menschen mit einem mehrmaligen Schokoladenkonsum in der Woche im Schnitt nicht nur schlanker als entschiedene Süßigkeitsverweigerer waren, sondern auch schlanker blieben.


Nachdem die Attraktivität bei der Partnerwahl* bekanntlich nicht erst seit gestern eine maßgebliche Rolle spielt, sollten die UCSD-Ergebnisse nicht zu falschen Schlussfolgerungen führen. So haben Soldaten und Bergsteiger aus gutem Grund Schokolade als Notration im Gepäck. Wenn bereits vier Tafeln den täglichen Kalorienbedarf eines mittelschwer arbeitenden Menschen decken, ist leicht auszumachen, wie sich der übermäßige Konsum des Energielieferanten auf die Figur auswirkt. In der Tat gilt Schokolade denn auch ob des Fetts und des Zuckers als extreme Kalorienbombe.


Wellness: Vitaler Körper durch Kakaobutter


Die mit 122 Jahren, 5 Monaten und 14 Tagen älteste Frau der Welt schreibt ihr stolzes Alter dem Schokoladenkonsum zu. Wer sich nicht eines vergleichbar langen Lebens erfreut, tut gut daran, beizeiten für eine gesunde Work-Life-Balance* zu sorgen. Eine Möglichkeit der Entspannung bietet sich mit warmen Schokoladenbädern und Schokoladenmassagen an.


Bildhübsche Frau bei Schokoladenmassage

Quelle: Aqua Natura Madeira Hotel auf Facebook


Mit Schokolade Glück zu assoziieren fällt einem im Wellnesscenter naturgemäß nicht schwer. Die wohltuende Wirkung der Schokolade ist der Kakaobutter geschuldet. Ihre Inhaltsstoffe beleben den Körper, während sich ihr Genuss in einem Gefühl allgemeiner Zufriedenheit bekundet. Mineralstoffhaltige, vitaminreiche Schokolade eignet sich hervorragend zur Regeneration trockener Haut. Wenn der Schokoaufguss für eine zarte, geschmeidige Haut sorgt und mit einem gesunden Teint aufwartet, schwebt noch jede Frau auf Wolke sieben. Ja, nicht genug damit. Genau genommen taugt eine Schokoladenpackung oder Schokoladenmaske gar als Anti-Aging-Maßnahme. Die Polyphenole der Kakaobohne schützen die Haut nämlich vor freien Radikalen und ersticken damit die Faltenbildung im Keim. Insofern geziemt es sich allemal, für die Schokolade die Trommel zu rühren und etwa die speziellen Badezusätze und Lotionen der holden Weiblichkeit ans Herz zu legen.


* Unbezahlter Weblink (Eigenwerbung)

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